Investitionsfinanzierung und gesamtwirtschaftliche DynamikMoney matters - aber warum? Für John Maynard Keynes und einen Teil seiner Nachfolger ist der Einfluß des monetären Sektors auf die private Investitionsentscheidung der Grund, warum das Geld die reale Wirtschaft steuert. In der General Theory hebt Keynes hervor, daß der Geldzinssatz möglicherweise nicht tief genug fallen kann, um reale Investitionen rentabel werden zu lassen. In der daran anschließenden Diskussion erweitert Keynes seine Theorie, indem er die Nachfrage nach Geld zur Finanzierung von Investitionen als wichtige Komponente der Liquiditätspräferenztheorie hervorhebt. Dies lenkt den Blick auf die Kreditvergabepraxis der Banken und deren Bedeutung für das Investitionsverhalten. Die Post-Keynesianische Diskussion baut darauf auf und verteidigt die Relevanz der Keynes'schen Geldtheorie über die Extremsituation der Liquiditätsfalle hinaus. Hyman Minsky betont die Rolle der Finanzierung in der Aktivapreisbildung, die im 17. Kapitel der General Theory beschrieben wird, und leitet aus diesen Überlegungen eine Theorie monetär verursachter Schwankungen des Outputniveaus ab. In den achtziger Jahren wurden diese Theorieansätze formalisiert. Die Eigenschaften von Systemen mit nichtlinearer Dynamik erwiesen sich als besonders geeignet, die verbalen Theorien der finanziellen Instabilität in einen modelltheoretischen Rahmen zu übersetzen. Damit wurden die Grundlagen für einen neuen Zweig der Konjunkturtheorie gelegt, der realwirtschaftliche Schwankungen als endogene Zyklen, die durch monetäre Faktoren ausgelöst werden, erklären kann. In dem Forschungsprojekt unseres Lehrstuhls sollen diese Ansätze zusammengefaßt und weiterentwickelt werden. Eine dieser Weiterentwicklungen besteht in der Berücksichtigung von unterschiedlichen Finanzierungsverhalten im Unternehmenssektor und deren Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Stabilität. Ansprechpartner: Christoph Kind |