Aufenthalt in Frankreich an der Universität Paris X - Nanterre während des Studienjahres 1994/95Die AnkunftNachdem man in Deutschland alle nötigen Papiere zusammen- gesucht hat, kommt man als erstes im ERASMUS-Büro bei Mme Bouyer an. Egal, was sie sagt, es gibt zwei wichtige Dinge, die zu beachten sind. Zum einen sollte man ein Paßfoto abgeben, das vergißt sie gerne, und zum anderen sollte man die "équivalence" zum Vordiplom, die man evtl. von Deutschland aus beantragt hat, direkt und ohne gefragt zu werden, vorzeigen. Sonst ist man nämlich falsch eingeschrieben und hat große verwaltungstechnische Probleme, dies wieder rückgängig zu machen. Sollte man beabsichtigen, die LICENCE zu machen, so muß im Studentenausweis stehen "Licence - Sciences éco". Wenn "Rel. inter. 3 année" hineingeschrieben wurde, kann man sich nicht mehr für die LICENCE einschreiben.Die 1. EinschreibungIn Frankreich schreibt man sich zweimal ein, das erste Mal handelt es sich um die "inscription administrative", bei der man von Mme Bouyer begleitet wird. Dadurch genießt man das Privileg, an den langen Schlangen französischer und sonstiger Nicht-Erasmus-Studenten vorbeigehen zu dürfen. Hier braucht man wieder ein Paßfoto für den Studentenausweis.Die VorlesungenGanz egal, was Mme Bouyer sagt (ihr unterlaufen gelegentlich kleine Fehler), sollte man sich unbedingt bei französischen Studenten erkundigen, wann die Vorlesungen anfangen. Mir hatte sie den 17. Oktober genannt, es war aber der 3. Oktober. Glücklicherweise merkte ich es am 6. Oktober, aber manche haben es eben erst sehr spät bemerkt und zwei Wochen Zeitverlust, wenn alles in einer fremden Sprache abläuft, sind doch sehr ärgerlich. Seinen Stundenplan bekommt man im Sekretariat für Sciences économiques im bâtiment G.Das Mitschreiben ist am Anfang sehr schwierig, weil es eine Fremdsprache ist und weil die Franzosen in der Regel sehr schnell sprechen. Man sollte nicht den Mut verlieren und immer wieder versuchen, etwas mitzuschreiben. Man sieht richtig, wie wöchentlich die Mitschriften längerwerden und nach 4 - 8 Wochen hat man es dann geschafft. Bis dahin sollte man Kopien machen von den Anderen, am besten von Mitstudentinnen, weil sie leserlicher schreiben. Die 2. EinschreibungAn dem von Mme Bouyer genannten Tag, an dem angeblich die Vorlesungen anfangen, findet ein Termin statt mit dem/der Betreuer/in für die deutschen Erasmus-Student(inn)en. Zu meiner Zeit handelte es sich hierbei um Mme Herschtel, die sehr freundlich und hilfsbereit ist und akzentfrei deutsch spricht. So kann man mit Problemen zu ihr kommen, die man auf Französisch noch nicht so gut ausdrücken kann. Sie geht also mit einem in das Sekretariat für Sciences économiques. Dort geht es um die "inscription pédagogique". Sollte es nicht möglich sein, sich für die "LICENCE" als Ganzes einzuschreiben (gelegentlich sind die Sektretariatsmitarbeiter der Ansicht, daß es einem Ausländer nicht so leicht möglich sein sollte, einen französischen Abschluß zu erreichen, wenn es umgekehrt Franzosen im Ausland innerhalb eines Jahres nicht möglich ist, einen ausländischen Abschluß zu erreichen), dann schreibt man sich einfach für jeden Kurs einzeln ein.Das WohnheimTrotz einiger Unannehmlichkeiten ist ein Aufenthalt im Wohnheim sehr zu empfehlen. Man lernt nirgends so viele Leute so schnell kennen. Man lebt mit Engländern, Spaniern, Franzosen, Nordafrikanern, Schwarzafrikanern, Asiaten und Leuten von den Antillen u.v.m. auf engen Raum zusammen und bekommt so viele Einblicke in ihre Kulturen und erweitert seinen Horizont ganz ungemein.Nun, dafür teilt man 4 Toiletten und Duschen mit 36 Leuten. Es ist auch nicht so besonders sauber, zumal die Putzfrauen öfters streiken. Aber es ist immer jemand da, wenn man Heimweh hat. Die AufenthaltsgenehmigungFür die Aufenthaltsgenehmigung muß man zur "préfecture" von Nanterre (wenn man in Nanterre wohnt). Schneller als mit dem R.E.R. bis zur Station "Nanterre-Préfecture" ist man zu Fuß, da sie von der Uni nur 10 min. weg ist. Man muß folgendes mitbringen, das man z.T. schon in Deutschland besorgen kann, und zwar in Original und Fotokopie:
Die Hartnäckigkeit lohnt sich, denn ohne Aufenthalts- genehmigung erhält man kein Wohngeld !!! Das WohngeldMan muß als erstes nach Nanterre zum Sozialamt gehen, eine Nummer ziehen (wie bei uns im Einwohnermeldeamt) und sich nach vergleichsweise kurzer Wartezeit ein "Dossier" zur Beantragung von Wohngeld ("demande des allocations de logement") geben lassen. Dies füllt man zuhause aus, am Besten mit der Hilfe eines weiteren Wohnheimbewohners. Voraussetzung ist ein Konto bei einer französischen Bank. Der Rest geht recht einfach, man kann eigentlich alles schriftlich regeln. Was man allerdings braucht und sich am Besten bereits in Mainz beim französischen Konsulat besorgt ist ein "Fiche individuelle d'état civil". (Man braucht beim Konsulat eine Geburtsurkunde).Auch diese Anstrengung lohnt sich, zu meiner Zeit betrug die Miete für ERASMUS-Studenten 900,-- Francs und das Wohngeld 411,-- Francs! Inzwischen ist die Miete gestiegen und die Sätze der "allocations familiales" sollten im Oktober 1995 gesenkt werden. Was daraus geworden ist und wie Miete und Wohngeldsätze jetzt sind, weiß ich nicht. Die Adresse vom Sozialamt: Caisse des allocation familiales (kurz: CAF) 70 à 88, rue Paul Lescop 92023 Nanterre Cedex EinkaufsmöglichkeitenIn Nanterre (R.E.R.: "Nanterre-Ville"):
An der Uni direkt:
In der Défense (R.E.R.: "Grande Arche de la Défense):
Bücher:
Im Krankheitsfall
Man möchte länger bleibenWer nach 9 Monaten noch nicht genug hat, kann, wenn er ein Praktikum findet, länger im Wohnheim bleiben. Wobei man in Nanterre leider nur bleiben kann, wenn man den "Deutsch- Französischen Sozialausweis / Carte sociale des oeuvres universitaires" hat, den es hier an der Uni bei Frau Schreiber im Studentenhaus, Eingang A, für 3,-- DM gibt. Selbst dann allerdings nur nach hartnäckigem Kampf mit der Direktion und dem Studentenwerk (C.R.O.U.S.) in Versailles. Mir gelang es nicht. Für den Fall der Fälle eine Liste der Wohnheime in Paris, die allerdings dem C.R.O.U.S. von Paris unterstellt sind. Man kann sich direkt telefonisch bei ihnen bewerben:
Wie findet man ein PraktikumEs ist eine sehr anstrengende Angelegenheit, aber es lohnt sich, man lernt das französische Leben von einer anderen Warte her kennen. Stellenangebote findet man an folgenden Stellen:
Lohnt eine Monatskarte?Die Monatskarten bei den Pariser Verkehrsbetrieben heißt "Carte Orange" und gilt in der Métro, im R.E.R., in den Bussen und in den Vorortzügen der S.N.C.F. (Société Nationale de Chemin de Fer). Der Preis wird nach Zonen festgelegt. Nanterre liegt in der 3. Zone und sobald man glaubt, mehr als 12 mal im Monat nach Paris zu fahren, lohnt sie sich. Und mehr als 12 Fahrten nach Paris kommen schnell zustande.Paris ist nicht sehr weit von Nanterre, man fährt mit dem R.E.R. 10 Minuten bis zur "Place Charles de Gaulle - Etoile" mit dem "Arc de Triomphe". Lohnt sich ein Auslandsaufenthalt?Er lohnt sich in jedem Fall. Man lernt ein anderes Hochschulsystem kennen, das auch sehr gute Seiten hat. Außerdem lernt man eine Fremdsprache fließend zu sprechen und es macht großen Spaß, neue Wörter aus ganz verschiedenen Sprachniveaus zu lernen (der Durchschnitts- franzose spricht jedenfalls nicht wie deutsche Schulbücher). Es macht auch große Freude, Sätze zu hören, wie: "Als Du herkamst, hast Du gesprochen, wie ein Wörterbuch, jetzt sprichst Du ja französisch!"Man sieht auch sein eigenes Land mit ganz anderen Augen und kann besser Vergleiche ziehen. Auch der Persönlichkeitsbildung tut ein Auslandsaufenthalt gut, man hat mehr Selbstbewußtsein und Durchsetzungs- vermögen durch die neuen Erfahrungen, die man sammeln konnte. Ein Problem gibt es allerdings. Es kann passieren, daß man in Frankreich gelegentlich Heimweh hat. Leider hat man auch später in Deutschland starkes Heimweh nach Frankreich. Ein letzter TipMan sollte bereits in Deutschland viele (mindestens. 10) Paßfotos besorgen, man braucht sie immer wieder und zu den überraschendsten Gelegenheiten (z.B. in den T.D.s (= Travaux Dirigés = Übungen), wo man sie abgeben muß, um sicherzustellen, daß man nicht seinen großen Bruder oder seine große Schwester schickt, die bereits einen Doktor der Wirtschaftswissenschaften hat und für einen die Klausuren schreibt). |