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Wir, zwei Mainzer Studenten berichten von unserem Auslandsstudium am Nene College/Großbritannien:
neben dem Masters standen vor allem Fun und die englische Mentalität im Mittelpunkt. Dank freundlicher Erasmus Unterstützung (Janina Kugel, Lehrstuhl Tillmann) wechselten wir Ende September letzten Jahres als erste Meenzer BWLer an das Nene College, Northampton. Die siebzigtausend Einwohner zählende Stadt befindet sich im Norden Londons und liegt zwischen Oxford im Westen und Cambridge im Osten. Während des einjährigen Aufenthaltes besteht grundsätzlich die Möglichkeit das Diploma in European Business oder den Masters degree in International Business Analysis (MA IBA) zu absolvieren. Zulassungsvoraussetzungen für das Diploma sind i.d.R. ausgezeichnete Sprachkenntnisse sowie ein mindestens viersemestriges wirtschaftswissenschaftliches Studium. Für den postgraduate Masters sind acht Semester ein Minimum. Wohnen und LebenGenerell bietet sich die Möglichkeit kostengünstig in den berüchtigten halls auf dem Campus zu residieren. Als ruhigere Alternative teilt sich ein Großteil der Non-Freshers, student houses eine Art WG (Frehers= first year students oder alle, die den obligatorischen nächtlichen Feueralarm mit anschließender Hausräumung schätzen).Die Wohnungssituation ist generell unproblematisch (ab ca. 400 DM/Monat). Man sollte jedoch nicht den Fehler begehen deutsche Maßstäbe bei Lebensstandard und Wohnqualität zu setzen. Vor allem Sauberkeit und die legendäre britische Küche (Pommes Frites auf Toast zu baked beans) lassen zu wünschen übrig. Das allgemeine Preisniveau liegt ca. 20% unter unserem, wobei der durchschnittliche Studentenlohn acht Mark selten übersteigt. Engländer/innen genießen ihre Freizeit ausgiebig in den zahlreichen Parks und vor allem Pubs. Als Treffpunkt für alle Generationen bieten sie die Möglichkeit zum Kennenlernen und zur (mehr oder weniger) intellektuellen Konversation - offiziell nur bis 23 Uhr. Animiert durch die fast tägliche student night (freier Eintritt und ermäßigte Preise) zieht die im Vergleich zu deutschen Maßstäben äußerst exzessive Studentenschaar danach in die zahlreichen Clubs und die sich spontan daran anschließen-den Parties. Als Neuankömmling sind Freunde schnell gefunden, da die Menschen durch ein für unsere Verhältnisse - unvorstellbares Maß an Kontaktfreudigkeit und Offenheit geprägt sind. Äußerlichkeiten spielen eine untergeordnete Rolle. Unser glatzköpfiger und gleichzeitig vollbärtiger Militär-Trike-Nachbar (Hilfe!) erwies sich letztendlich als hilfsbereit und äußerst freundlich. Das StudiumDas Ambiente der zehntausend Studenten zählenden Universität ist durch zumeist neue Gebäude geprägt, welche durch Parks und englischen Rasen separiert werden. Überwältigend ist auch die inhärente Mentalität gegenüber den Studenten: "wir sind für Sie da" ! Beispielsweise reichte der Professor in der Einführungsveranstaltung Kaffee und Plätzchen. Dem obligatorischen Du folgten Pub nights und persönliche Gespräche zu diversen Themenbereichen in lockerer Atmosphäre.Man muß jedoch in Betracht ziehen, daß dieses phänomenale Verhältnis zwischen Professoren und Studenten nur durch Kursgrößen von maximal dreißig Teilnehmern ermöglicht wird. Die Professoren sind zudem eher als Lehrer (lecturer) mit breiteren Wissen ohne Spezialisierung anzusehen. Das Studium unterscheidet sich vom Deutschen durch seine praxisnähe und durch den Unterricht im Klassenverband. Jeder Vorlesung folgt ein einstündiges, vertiefendes Seminar. Dieses basiert meist auf Fallstudien und wird von einem oder einer Gruppe von Studenten geleitet. Die Arbeitsbelastung ist im Vergleich zum deutschen Hochschulstudium kontinuierlicher: durchschnittlich hielten wir jede Woche einen zwanzigminütigen Vortrag und reichten ein fünfzehnseitiges Seminarpapier ein. Neben der am Ende jeden Semesters (Trimester) anfallenden Klausur ist eine etwa hundertdreißig seitige Dissertation anzufertigen. FazitNach unseren Erfahrungen ist ein Auslandsstudium sehr zu empfehlen: neben einer Menge Spaß erhielten wir einen international anerkannten Abschluß, knüpften viele Kontakte und lernten Ur-Briten in ihrem natürlichen Lebensumfeld kennen.Im nachhinein betrachten wir Deutschland und unser Studium hier aus einer anderen Perspektive: auf beiden Seiten des Ärmelkanals existieren in jeglicher Hinsicht (nicht nur des Studiums betreffend) Verbesserungspotentiale. Hoffentlich haben wir gelernt die Vorteile beider Kulturen zu verbinden und zu nutzen. Für weitere Fragen bezüglich eines Auslandsstudiums in Großbritannien stehen wir gerne zur Verfügung.
Edward Mulder |
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HTML von W5 | Letzte Aktualisierung am 23.11.1996