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AKB-Report

3.500 Mitglieder – Die Börsenvereine
an den deutschen Hochschulen.

1997 wird der Bundesverband der Börsenvereine an deutschen Hochschulen (BVH) e.V. fünf Jahre alt. Der AKB Mainz hat mich gebeten, aus diesem Anlaß noch einmal zurückzublicken sowohl auf die Pioniertage als auch die heutige Erfolgsstory, die anfangs gar nicht so klar auszumachen war.

Denn vor allem die Jahre ’92 und ’93 waren äußerst schwierig. Vielerorts wurde Kritik an der Dachverbandsarbeit laut, der BVH-Beitritt bestehender oder neu gegründeter Börsenvereine war ganz und gar keine Selbstverständlichkeit, wie dies heute der Fall ist. Selbst die Notwendigkeit der Existenz eines Dachverbandes wurde immer wieder in Frage gestellt. Dazu kamen hohe Anlaufkosten aus Gründung und laufender Vorstandsarbeit, die nicht durch Einnahmen gedeckt waren und am Ende von den Heimatvereinen der Vorstände (!) getragen wurden.

In den letzten Wochen vor der 2. BVH-Mitgliederversammlung im Dezember 1993 in Passau war schließlich ein Tiefpunkt erreicht, als einem Vorstandsmitglied von seinem Heimatverein die „Vertretungsberechtigung“ im BVH-Vorstand entzogen wurde und auch zwischen den vier Vorstandsmitgliedern keinerlei Vertrauensbasis mehr vorhanden war. Überhaupt waren in Passau nur zwei amtierende Vorstände anwesend. Durch die Abwesenheit von sechs der damals elf Mitgliedsvereine war die Mitgliederversammlung zunächst nicht einmal beschlußfähig.

Die Wende brachte erst das Jahr 1994 und hier vor allem der Aufbau des Förderkreises, die neue Präsentationsbroschüre und die ersten Ausgaben des Newsletters „BVH-News“, den wir anfangs als Kopiervorlage (!) an die Vereine versandten! Manchmal war uns (den ’95er Vorständen) in dieser Zeit wirklich mulmig bei dem Gedanken, daß wir aus eigener Tasche die BVH-Arbeit bis zum Eingang eines möglichen ersten Förderkreis-Beitrages vorfinanzieren mußten. „Was würde aus unseren zusammen rund 7.000,--DM (!) werden, wenn unser Förderkreis-Konzept nicht aufging“, fragten wir uns insgeheim. Doch es ging alles gut und die Förderkreis-Unternehmen ließen nicht mehr lange auf sich warten. Seit dieser Zeit ging es mit dem BVH stetig bergauf - nicht nur, was die Qualität der Veranstaltungen und der „BVH-News“ betrifft, auch die Anerkennung in Fachkreisen wuchs weiter, die Presseveröffentlichungen und Zuschriften von Interessenten wurden immer mehr. 1994 kam auch das Wort „Aktienkultur?“ in den BVH. Ein Wort, das damals zum ersten Mal in der Presse auftauchte, macht heute in der Wirtschaftspresse täglich die Runde. Dazu hat auch der BVH beigetragen. Der „Aktionstag Börse Deutschland“ am 7. Dezember 1996 wird nun das Highlight unserer „Aktienkultur-Bewegung“ werden und ein Meilenstein in der noch jungen BVH-Verbandsgeschichte. Von der Ausrichtung dieser Simultanveranstaltung an neun Standorten kann nicht nur ein großes Medienecho erwartet werden, sondern auch die „BVH-Gemeinschaft“ sollte - durch die gemeinsame, vereinsübergreifende Projektarbeit - trotz der vielen Mitgliedsvereine wieder ein Stück enger zusammenwachsen.

Der BVH, dem der AKB Mainz seit 1993 angehört, eint heute 34 Uni-Börsenvereine, in denen rund 3.500 Mitglieder organisiert sind. Noch im Jahr 1996 wird möglicherweise die Schwelle von 40 Mitgliedsvereinen erreicht, im Jahr darauf könnte man bei 50 angelangt sein. Bis zur Jahrtausendwende ist eine Zahl von 70 bis 80 Vereinen denkbar, wenn das bisherige Wachstumstempo nur annähernd gehalten wird. Dieses Wachstum bringt für den Bundesverbands-Vorstand jedoch große Probleme mit sich: Der Verband muß als Dienstleister für seine Mitglieder kontinuierlich (aber von immer neuen Vorständen vertreten!) Informations-, Koordinations- und Betreuungsarbeit für immer mehr Vereine leisten. Gleichzeitig sind bereits wieder neue und größere Projekte in Planung oder werden von außen an uns herangetragen. Das Outsourcing des Publikationsorgans BVH-News (Titel seit 1996 „Aktienkultur & BVH-News“) war ein erster Schritt zur Aufgabenverlagerung und Professionalisierung. Doch man muß sich schon heute über weitere Modelle Gedanken machen, wie man Projekte auslagern, Abläufe optimieren und die Tätigkeiten für jeden Vorstand noch neben einem Studium machbar gestalten kann. Das „BVH-Büro mit Sekretärin“ ist vielleicht gar nicht mehr so weit weg, als man sich das im Moment noch vorstellen kann.

Daß sich die Idee „totläuft“, das steht dagegen meiner Ansicht nach nicht zu befürchten. Sowohl der bleibende Wunsch, die Uni-Theorie schon während des Studiums mit Praxis zu füllen, als auch die fehlentwickelte Anlagementalität in Deutschland lassen genügend interessante Betätigungsfelder für Börsenvereine und deren Mitglieder offen, um ihren Aufklärungsauftrag zu erfüllen.

A propos „Aktienkultur“: Geht man von der neuesten Aktionärsstrukturerhebung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) sowie der Annahme aus, daß rund 90 % der BVH-Mitglieder Aktienerwerber sind (BVH-Umfrageergebnis 1994), dann sind bereits 10 % aller studentischen Aktionäre (insgesamt rd. 36.000) im BVH organisiert! Wenn die Zahl der Aktionäre in Deutschland allerdings in den nächsten fünf Jahren so wachsen würde wie der BVH in den vergangenen fünf, dann hätten wir hierzulande im Jahr 2001 nicht mehr nur 5,4 %, sondern bereits rund 27 % Aktionäre. Das wäre dann ein noch größerer Erfolg…
Markus Rieger


(Der Autor war 1994 Vorstandsvorsitzender und 1995 Stell-
vertreter im Vorsitz des BVH. Seit Ende 1995 ist er BVH-
Referent in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Verleger
und Herausgeber der „Aktienkultur & BVH-News“.)

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HTML von W5 | Letzte Aktualisierung am 23.11.1996